Gut gegen Wut: Mut

Mann geht einer Wand entlang. Dort buntes Graffiti mit der Aufschrift: Courage,
Es geht nicht darum, Dinge leicht zu nehmen. Es geht um sehr viel Mut, der sich für alle lohnt

take it easy? take courage!

Nein, es geht nicht einfach darum, es leichter zu nehmen. Ereignisse, Angriffe, Entscheidungen, Vorurteile, Ansichten und Ängste in all ihren pervertierten Formen wühlen auf. Sie kommen mitunter als schwere Geschütze daher, sie leicht zu nehmen wäre beinah fahrlässig. Schließlich gehen sie mit einiger Aufregung in unserem Innenleben einher. Manchmal bringen sie uns zum kochen oder gar brodeln: Wir spüren die Energie, die über blitzschnelle Umwege freigesetzt wird und wir sind bereit zu...ja...zu was?

Ich bin da schon  mal grundsätzlich dagegen

Andere Meinung, anderer Pass, andere Politik, anderes Geschlecht, andere Hautfarbe, andere Vorstellungen, anderes Team, andere Religion, andere Seite. Die andere Seite, die nunmal da ist, wird plötzlich zur Gegenseite. Das Gegenüber, das nunmal da ist, wird zu unserem Gegner. Wenn es die Situation zulässt, wollen wir ihm etwas entgegenhalten. Ein Gegenangriff, ein Gegenwort, eine Gegenansicht, ein Gegenurteil. Ich bin dagegen.

Es ist eine Entscheidung, die schwer wiegt und alles leicht machen kann

Kunterbunte Wand mit Graffiti. Aufschrift: Never stop creating
Wir können frei von ranzigen Gedanken und Automatismen sein, wenn wir uns dafür entscheiden.

Ideale Voraussetzungen fürs Ausleben unserer Gegengedanken und Gegenhandlungen gegen die Gegnerin.

Das haben wir schon immer so gemacht. Ich bin dagegen.

 

Leider ist da was dran, wir haben das tatsächlich immer schon so gemacht, zumindest der Großteil von uns. Aug um Aug hieß es damals und Zahn um Zahn. Und wo kämen wir denn hin, denken wir in dem Moment, wenn wir uns alles gefallen ließen? Wir werden sauer beim Gedanken an die Missetöne oder Missetaten unserer Gegner und blind, manchmal sogar außer uns vor Wut und Zorn. Unser Gegner*innenabwehrprogramm ist hochgefahren. Wir werfen uns in die Schlacht.

 

Leider nicht nur die Dummen.

 

Aber wir müssten es uns ja nicht gefallen lassen. Wir könnten ja entscheiden, kreativ zu sein und frei zu handeln.

20 Sekunden gegen wut

Automatisch kann jede*r (die Aktivierung des Kleinhirns ist jetzt nicht gerade eine Auszeichnung menschlicher Überlegenheit, das können auch Krokodile). Es ist nicht wirklich was dabei, einem anderen eins verbal oder physisch über die Rübe zu ziehen, wenn man von Wortgewandtheit und Muskelkraft absieht.

 

Um die Wut in den Griff zu bekommen, bräuchte es schon richtigen Mut. Zuerst müssten wir mutig genug sein, darauf zu vertrauen, dass unser Gegenüber uns in den nächsten 20 Sekunden nicht töten wird.

Ein bisschen mehr Mut bräuchten wir, um unserer Wut ins Auge zu blicken. Wir müssten mutig genug sein, das dahinterliegende Bedürfnis zu entdecken, ohne uns dafür klein zu machen oder zu verurteilen. Wir könnten dann erkennen, ob das ein ranziges, altes, nie befriedigtes Bedürfnis eines Kindes ist, das wir seit Jahrzehnten mit uns rumschleppen. Oder ob es ein Bedürfnis ist, das wir erfüllen können.

Schließlich bräuchten wir noch den Mut, es in diesem Moment oder dann, wenn wir genug Mut dazu haben, zu äußern. Das wäre dann natürlich eine neue Situation, das wäre beim ersten Mal vielleicht extramutig.

Dieser Mut würde fürstlich belohnt werden:

 

  1. Die Wut verschwindet. Das erfreut die physische und psychische Gesundheit und das Umfeld.
  2. Wir lernen uns besser kennen und werden dadurch handlungsfähiger
  3. Achtsamkeit wächst
  4. Wir werden wieder Herr*in im eigenen Haus und haben die Kontrolle über unsere Gedanken und Gefühle
  5. Wendigkeit im Denken steigt
  6. Wir überraschen uns selbst mit einer neuen Facette

Und ganz nebenbei, mühelos ensteht etwas sehr Kostbares

Und ganz nebenbei,

mühelos

nutzen wir die frei gewordene Energie,

um etwas zu kreieren,

das uns in wirkliche Leichtigkeit bringt und Spaß macht:

Achtsame Begegnungen.

Mit dem Gegenüber und mit uns selbst.

Ich bin dafür.

P.S.: Jede*r kann das. Einfach ist es für die ganz ganz Mutigen und für Personen, die schon geübt darin sind. Und dann gibt's die Möglichkeit, sich auf diesem Weg  coachen oder individuell beraten zu lassen.


Petra Ouschan ist Autorin, psychologische Beraterin, Coach und Supervisorin bei Zent. Bersonders gern begleitet sie Menschen, die entdecken möchten, was in ihnen steckt.

 

Von allen Wörtern, die mit M beginnen, mag sie neben Mut auch Mai, Mandelkakao, Mailcoaching  und Mönchsgrasmücken.

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