Warum nicht? - Fragen, die Perspektiven geben

Warum nicht?

Durch andere(s) Fragen Bewegung ins Spiel bringen

🎧 Hier kannst du dir den Text als Podcast anhören:

Als wir noch klein waren, stellten wir unglaublich viele Fragen. Was ist das? Wo hört der Himmel auf? Warum ist das Wasser nass? Wie weiß die Schneeflocke, dass Winter ist? Warum kaut Opa nicht so gern Kaugummi? -  Fragen, um die kindliche Neugier zufriedenzustellen, um den Horizont zu erweitern, um etwas über die Welt zu erfahren, um zu begreifen. Lernen und sich darüber freuen. Bemerken, dass etwas in Bewegung kommt.

Warum ich?

Auch in der Welt der Erwachsenen beginnt jede Erkenntnis, jede große Errungenschaft mit einer Frage. Mit dem Heranwachsen werden unsere Fragen seltener. Irgendwann haben wir uns wohl so daran gewöhnt, Antworten zu liefern und Aussagen zu tätigen, dass das Fragenstellen, das über den eleganten Smalltalk hinausgeht, eher in den Hintergrund tritt.

 

In einer unbequemen Lage oder einer veränderten Lebenssituation taucht dann plötzlich eine Frage wie eine Gewitterwolke über uns auf. Sie kann ziepen und zerren und quälen und uns auf Schritt und Tritt begleiten, bis in den Schlaf. "Warum?", möchten wir wissen. Warum ist uns dieses und jenes wiederfahren, warum verhält sich diese Person so abweisend, warum habe ich die Beförderung nicht bekommen, warum kann ich nicht einfach etwas reicher, schöner, mutiger, toller sein? Warum geschieht mir das? Warum mache ich so einen Blödsinn? Warum kann es nicht einfach mal glatt laufen?

Warum-Frage als Stimmungskiller

Wenn wir uns mies fühlen, stellen wir uns die Frage mit der Hartnäckigkeit von 4-Jährigen. Vielleicht erhoffen wir uns ja unbewusst, dass sich dadurch etwas in Bewegung versetzt, wie damals, als wir Kinder waren.

 

Sind wir gerade dabei, etwas zu optimieren oder zu lernen, ist die Warum-Frage sehr hilfreich. In schwierigen Situationen, wenn wir die Warum-Frage ständig wiederholen ohne auf Antworten zu stoßen, lässt sie uns meist kraftlos zurück und wir kommen kein Stück voran. Sie frisst jede Menge Energie und schränkt unsere Handlungsfähigkeit und unsere Gedanken ein.

Wir richten unsere Aufmerksamkeit dadurch wieder und wieder auf etwas, das in der Vergangenheit liegt, auf das Ereignis, das sich bereits zugetragen hat, und wiederholen die immer gleichen Gedanken und Szenen. Unser Gehirn  sieht darin eine Aufforderung, nach dem zu suchen, wohin wir uns wenden. Anstatt etwas Neues zu lernen, wie damals als Kinder, wiederholen wir unter Umständen immer wieder etwas Altes. Mittel- und langfristig trübt das die Stimmung und beeinträchtigt unser Wohlbefinden, kann Stressreaktionen auslösen,  Depressionen die Tür öffnen und hält uns davon ab, die schwierige Situation zu bewältigen.

Bewegung

Wer nach Schwung für seine Situation sucht und sich aktiver um seine/ ihre Lebensumstände kümmern möchte, könnte alternativ jederzeit auf andere Fragen ausweichen. Es ist kinderleicht, man bräuchte sich nur daran zu erinnern.

 

Indem wir die Warum-Frage mal beiseite legen und stattdessen Wie- Wann- Wo- Was- Wer oder jede andere Frage stellen, ändern wir sofort unsere Perspektive. Wir bringen Bewegung ins Spiel und öffnen den Raum für Neues: Wann werde ich etwas, das mir schon noch einfallen wird, unternehmen? Wo ist jemand, der mit mir geht? Wie könnte eine Lösung aussehen? Wie geht es mir jetzt wirklich? Wem kann ich mich anvertrauen? Was ist jetzt zu tun? Wer bin ich? Was möchte ich über mich ausdrücken?  Wohin will ich jetzt? Was brauche ich?

Fragen neu stellen

Es gibt so viele wunderbare Fragen, mit denen wir unsere Kreativität fördern, nach unseren Stärken verlangen, uns zu neuen Erkenntnissen und Wegen führen können. Wie damals als Kinder erlauben wir uns durch sie, die Welt auf neue Art für uns (zurück-)erobern und am Ende lassen sie uns vielleicht mit ein paar grauen Haaren mehr, aber mit einer aufgeräumten Stimmung zurück, womöglich sogar mit dem beglückenden Gefühl, trotz aller Umstände etwas Wunderbares über sich selbst erfahren zu haben.

Und vielleicht, möglicherweise, könnten wir durch Fragen uns selbst und einander wieder näher kommen. Es würde uns davor bewahren, uns allzuschnell ein Bild zu machen von dem, was wir glauben, das andere denken oder erleben.

Fragen können verbinden, Brücken bauen, Vertrauen schaffen und Kraft geben. Sie können erfrischen und kühlen, Spaß machen, das Herz erwärmen,  voranbringen, von tiefem Interesse zeugen. Sie können Mut machen und berühren, den Horizont erweitern und elegant, mutig, verrückt, sanft oder liebevoll sein.  Wäre es nicht vielleicht schön, sich mit unvoreingenommener Neugier zu begegnen, selbst dann, wenn wir schon alles zu wissen glauben? Was wäre, wenn wir durch eine Frage überwinden könnten, was zwischen uns liegt?

Extra-Impuls für hochsensible Personen

Wenn du ein hochempfindsamer Mensch bist, gelingt es dir wahrscheinlich besonders gut, Fragen zu stellen. Womöglich hinterfragst du dich und die Welt ständig und vielleicht hinterfragst du sogar dein Hinterfragen. Wenn in einer bestimmten Situation zig Fragen durch deinen Kopf schießen und du keine Gelegenheit hast, sie dir in Ruhe anzusehen, wenn sie dich ablenken oder irritieren, wäre es sehr verständlich, wenn du dich davon gern befreien würdest. Vielleicht möchtest du deinen Fragen aber dann, wenn du etwas Ruhe hast, eine zweite Chance geben. Wie wäre es denn, wenn in deinem Meer von Fragen die eine oder andere dabei ist, die dich voranbringen kann?

  • Zum Beispiel könntest du, wenn du mal abenteuerlich aufgelegt bist, dir eine der Fragen nehmen,  darüber meditieren und schauen, was dann an Gedanken kommt. Ganz easy, ganz ohne nachdenken zu müssen, ohne zu bewerten, ohne zu urteilen. Einfach nur beobachten, was da kommt.

  • Vielleicht gehörst du auch zu jenen hochsensiblen Menschen, die sich gern intensiver an Gesprächen beteiligen würden, aber sich damit (noch) schwer tun. Wie wäre es denn mit einer Frage? Ist schneller raus als eine umfangreiche Meinungsäußerung und als Wahrnehmungstalent kannst du darauf vertrauen, die richtigen Fragen zu stellen. Du weißt schon, die, die bewegen....nur Mut!  :-)

💛


Inspired by: Mark Kurlansky, K, Thomas, Clau (die es nie verlernt hat, die echt tollen Fragen zu stellen) und John Butler.

 

Petra Ouschan ist psychologische Beraterin und Supervisorin bei Zent und begleitet ihre Klient*innen besonders gern über Mail. Ach ja, Fragen macht sie auch recht gern... :-)




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Mag.a Petra Ouschan & Thomas Ouschan, LSB

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